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Wimbledon

Über das Ende der Wimbledon-WG

Ulli Potofski, Laura Papendick, Patrik Kühnen
BILD: Ulli Potofski, Laura Papendick, Patrik Kühnen
AUTOR: obs/Sky Deutschland/Sky / Paul Zimmer
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Vor ein paar Tagen ist für mich eine kleine Welt zusammengebrochen. Ulli Potofski bestätigte in „Sportradio360“ , dem Podcast des Kollegen Huiber, dass seine „Sky“-Show „London Calling – die Wimbledon-WG“ ab 2016 Geschichte sei.

Das heimliche Wimbledon-Highlight

„Keine Wimbledon-WG mehr? Es wird tatsächlich alles schlechter“, zeigte sich Kollege Barschel in unserem Redaktions-Chat bestürzt. „‚London Calling‘ und ‚Im Kühlschrank brennt noch Licht‘ werden bei mir im traurigen Gedenken in einer Dauerschleife laufen“, philosophierte Kollege Bergmann, der punktgenau den Charme der Show festhielt: „Potofski hat mehr oder weniger das gemacht, was er wollte. Und das ehrlich und mit großer Freude.“

Die Schock-Nachricht nahm auch mein Freundeskreis entsetzt auf. „Was? Wieso das? Das waren im letzten Jahr meine schönsten Sommerabende“, bedauerte mein Tennis-Kumpel McSlice die Schock-Nachricht, und seine Freundin, eher mäßig tennisinteressiert, schrieb: „Das war doch das heimliche Highlight von Wimbledon!“ Auch meine Freundin, ebenfalls zwangstennisinteressiert, meinte: „Das war doch schon Kult!“

Echtes Fernsehen, live und ungeschminkt

Wir alle haben die Wimbledon-WG in den vergangenen Jahren lieben gelernt wie wenig anderes im immer schlechter werdenden TV-Angebot. Ganz ehrlich: Ich habe mich an vielen Tagen insgeheim mehr auf die Wimbledon-WG gefreut als auf die Spiele am Tag. Abends mit einem Weizenbierchen auf der Couch zu sitzen und den ersten Takten von „London Calling“ zu lauschen... es gab nichts Schöneres. Denn „London Calling“ war anders als andere Show. Es war echtes Fernsehen. Live, ungeschminkt und mit Liebe gemacht.

Ulli Potofski mietete hierfür stets ein Haus im Londoner Stadtteil Wimbledon, von wo aus er abends mit Patrik Kühnen und zuletzt Laura Papendick den Tennis-Tag Revue passieren ließ. Auf seine ganz eigene Art. Auf die Potofski-Art. So, wie es kein anderer kann. Ulli Potofski gehört für mich zu Wimbledon wie Erdbeeren mit Sahne. Er war es, der mich als Neunjährigen ab 1989 auf „RTL plus“ mit Tennis (und den neuesten Königsklatsch-News) versorgte, in den Anfängen des Privatfernsehens, als Fernsehen noch roh war, unperfekt, ehrlich. Und nicht so langweilig durchstrukturiert wie heute.

War man sich dieses TV-Schatzes überhaupt bewusst?

„London Calling“, von Potofski selbst beschrieben als Sendung, „in der es etwas chaotischer zugeht anstatt staatstragend sportwissenschaftlich“, hat sich in den vergangenen vier Jahren zum Kult entwickelt. Mit einer treuen Fangemeinde. Und die bekam eine Show geboten, die Jahr für Jahr besser wurde, mit starken Gästen aus der Tennisszene. Und dank Patrik Kühnen überzeugte man zuletzt auch fachlich. Nur offenbar nicht aus Quotensicht. Aber es hat sich wieder etwas bewegt in Deutschland: Angelique Kerber ist Australian-Open-Siegerin, Interesse am Tennis in diesem Jahr wieder deutlich spürbar.

„Sky“ hat mit der „Wimbledon-WG“ einen außergewöhnlichen und kurzweiligen TV-Schatz ins Leben gerufen, einen Schatz, dem man sich vielleicht selbst noch nicht vollends bewusst ist. Wenn das große Geld da ist, um erneut rekordverdächtige Millionen und Abermillionen Euro für Fußball-Rechte in die Welt zu transferieren – ist wirklich nicht noch etwas Kleingeld übrig, um der „Wimbledon-WG“ auch im Jahr 2016 ein Dach über dem Kopf zu besorgen?

Dass eine Show in Art der Wimbledon-WG auch kostengünstig funktioniert, zeigt Ulli Potofski (mit Laura Papendick) übrigens gerade in einem Internet-Experiment . Die zweite von vorerst zwei Folgen „Das Haus am Rande der Stadt“ läuft am heutigen Abend um 22 Uhr live auf muxx.tv !

Hier geht es zu unserem Exklusiv-Interview mit Ulli Potofski beim Wimbledonturnier 2014.

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